30 Jahre alte Pauline

Hier ein bisschen Geschichte…

Wie alles begann!

Kulturinitiative Detmold e.V. , 16.12.1984 :

alte Pauline

Anfang 1980 hat sich die Kulturinitiative Detmold e.V. (K.I.D.) mit dem Ziel, kulturelle und soziale Strömungen zusammenzufassen, gegründet. Sie ist das Ergebnis jahrelanger Bestrebungen von Gruppen und Einzelpersonen gewesen, in Detmold ein Haus zu finden, in welchem sie ihre kulturellen Vorstellungen verwirklichen können. Die K.I.D. bekundete gegenüber der Stadt Detmold Interesse an dem Gebäude der alten Klingenbergfabrik (Hornsche Straße), um dort ein Kultur- und Kommunikationszentrum einzurichten. Anträge, die an die Stadt Detmold gestellt wurden, wurden abgelehnt.

Das Interesse und der Bedarf an einem Kultur- und Kommunikationszentrum in Detmold wuchs, und so wurde, als kein Gebäude von der Stadt Detmold zur Verfügung gestellt wurde, am 29.11.1980 die ehemalige Klingenbergfabrik besetzt.

Am 12.01.1981 wurde das Gebäude im Auftrag des Regierungspräsidenten geräumt.

Die Forderung der K.I.D. nach einem Kultur- und Kommunikationszentrum blieb aber weiter bestehen. Nach mehreren Verhandlungen mit der Stadt Detmold, stellte diese der K.I.D. am 17.09.1981 das Gebäude der ehemaligen Paulinenschule (Bielefelder Straße) zur Verfügung. Seitdem gibt es in Detmold das „Autonome Kultur- und Kommunikationszentrum alte Pauline“.

Funktion des Hauses:

- Gruppenarbeit: Es gibt mehrere Räume in der alten Pauline, die von interessierten Detmolder Gruppen zum Diskutieren, Arbeiten etc. benutzt werden können. Wichtig ist jedoch, dass diese Gruppen das Haus nicht nur als Konferenzort betrachten, sondern auch Bereitschaft zeigen, im Haus mitzuarbeiten.

- Veranstaltungs- und Kulturprogramm: Das Programm wird monatlich von Einzelpersonen, Gruppen und der Veranstaltungsgruppe organisiert. Ziel ist es, ein möglichst breitgefächertes Kulturprogramm zu ermöglichen.

- Treffpunkt: An bestimmten Tagen in der Woche ist das Café oder die Kneipe als Kommunikationsort für jede und jeden geöffnet.

Im letzten Jahr nahm das Verantwortungsgefühl der Benutzer der alten Pauline ab, keiner zeigte mehr Interesse, die anfallenden Aufgaben zu übernehmen, die Arbeit wurde nur noch sporadisch von wenigen geleistet. Dadurch verschlechterte sich die Atmosphäre so stark, dass auch die Besucherzahl der Kneipe und der Veranstaltungen zurückging.

Am 17. Juni 1984 kam es zu einer Krisensitzung aller an der alten Pauline Interessierten, auf der überlegt wurde, ob das Haus noch weiter als „Autonomes Kultur- und Kommunikationszentrum“ bestehen bleiben kann oder anderweitig genutzt wird. Allen Versammelten war die Wichtigkeit eines solchen Hauses klar – über die Voraussetzungen für ein Weiterbestehen bestand jedoch Unklarheit. Schon vorher hatten einige von uns ein Konzept, wie frau/man die organisatorische Arbeit in der alten Pauline strukturieren könnte, entwicckelt. Das Konzept wurde als einziger Vorschlag auf der Krisensitzung eingebracht und andere, die diesen Vorschlag als mögliche Grundlage für eine Weiterentwicklung ansahen, schlossen sich ihm an.

So hat sich eine Gruppe gebildet, die seit Juni mehr oder weniger regelmäßig in der alten Pauline renoviert, und sich darüber hinaus jeden Donnerstag getroffen hat.

Während der Donnerstagstreffen haben wir versucht, das Konzept vom 17.06. weiterzuentwickeln, unsere persönlichen Vorstellungen über die Arbeit in der alten Pauline auszutauschen und zu klären, was Selbstverwaltung und Autonomie eigentlich heißt und welche Funktion die alte Pauline für uns und in Detmold hat.

Außerdem haben die Renovierungsarbeiten, weil das Geld und damit das Material fehlt, sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Bei unseren Renovierungsarbeiten haben wir festgestellt, dass der Fußboden des Veranstaltungsraumes so kaputt ist, dass der Raum kaum mehr nutzbar für Theater-, Tanz-, Musik-, usw. Veranstaltungen ist. Da uns das Geld für einen neuen Fußboden fehlt, haben wir Anträge an die Stadt Detmold auf die Finanzierung eines neuen Bodens gestellt. Über diese Anträge wird bei den Haushaltsdebatten im Januar entschieden – d.h., dass davon auch die weitere Nutzung des Veranstaltungsraumes abhängt. Bis dahin müssen wir den Kneipenraum nicht nur als Kommunikationsort, sondern auch als Veranstaltungsraum nutzen.

Wenn wir in diesem Flugblatt über Selbstverwaltung schreiben, reduzieren wir dieses auf die mögliche Selbstbestimmung der sogenannten Freizeit – die Realisierung selbstbestimmter Arbeit sollte Ziel sein, ihre Durchführung ist im kapitalistischen Gesellschaftssystem aber noch weniger greifbar.

Die Arbeit ist abhängig von der Freizeit und umgekehrt die Freizeit von der Arbeit. Dieses wechselseitige Abhängigkeitsverhältnis zeigt sich in den verschiedenen Funktionen von Arbeit und Freizeit und beide Bereiche scharf voneinander abgrenzt.

Die Funktion der Arbeit ist uns allen klar – sie umfasst Existenzsicherung, Erfüllung einer Aufgabe, Beschäftigung, die Unterwerfung der Arbeitskraft unter die Produktions- und Verwertungsbestimmungen des Kapitals usw. usw. Die Freizeit hat die Aufgabe, die Arbeitskraft wiederherzustellen, d.h., die/der Lohnabhängige soll sich regenieren. Neben der Reproduktionsfunktion hat die Freizeit eine Integrations-, Anpassungs- und Manipulationsfunktion.

Die Freizeit ist repressionsärmer als die Arbeit. In diesem Bereich besteht daher eher die Möglichkeit, bewusstseinsverändernde Ansätze mit dem Ziel der Gleichberechtigung aller, einer kollektiven Emanzipation also, zu entwickeln. Solche Ansätze könnten sich auf den Bereich der Arbeit ausdehnen- eine Veränderung der Arbeitsbedingungen, eine Selbstbestimmung der Arbeit ist aber nur über die Arbeit selbst, nicht aber über eine Veränderung der Freizeit zu erreichen.

Zurück zur Selbstverwaltung: Sie geht von der Gleichberechtigung aller aus; deshalb ist zum Beispiel oberstes beschlussfassendes Gremium die Hausversamlung.

Jede/r, der Interesse am Haus hat, kann teilnehmen, seine Meinung äußern und an Entscheidungen mitwirken. Die Hausversammlung der alten Pauline findet 14-täglich donnerstags um 20.00 Uhr statt.

Nur über das Prinzip der Selbstbeteiligung möglichst aller Betroffenen lässt sich Selbstverwaltung realisieren.

Selbstverwaltung heißt aber auch, dass das Haus nicht immer durch ein und dieselbe Person vertreten wird, und dass alle Vorgänge im Haus für jeden transparent und offensichtlich sind, damit die Entscheidungen durch die Benutzer selbst getroffen werden und nicht faktisch durch irgendwelche Aktivisten.

Selbstverwaltete Zentren befinden sich in einer „inselartigen“ Situation, d.h. sie bilden eine Ausnahme von der gesellschaftlichen Regel, denn Mitbestimmung, Selbstbestimmung, Selbstverwaltung sind nicht an der Tagesordnung.

Autonomie heisst, unabhängig zu sein. Konkret für die alte Pauline ist Autonomie eine Zielvorstellung, nämlich unabhängig zu werden von staatlichen finanziellen Mitteln. Denn finanzielle und materielle Unterstützung von Seiten des Staates beinhaltet immer eine Einflussnahme, sie ist immer zweckgebunden. Sein Ziel ist es, inhaltliche und organisatorische Strukturen zu beeinflußen.

Unabhängigkeit von Staatsknete können wir aber nur erreichen, wenn wir mit der Zeit eine breite und starke Basis werden, die das Haus trägt. Abhängig sind wir momentan noch von der Stadt Detmold, denn sie finanziert die Heizkosten des Hauses und hoffentlich die notwendigen Renovierungsarbeiten. Das heisst aber nicht, dass wir uns dadurch in ein Abhängigkeitsverhältnis zur Stadt Detmold setzen wollen; bei jeglicher Unterstützung, die wir bekommen, wollen wir versuchen uns nicht durch Bedingungen, die vielleicht an sie geknüpft sind, einschränken zu lassen. Die Hausversammlung wird sich die Entscheidung darüber, was mit dem Geld passiert vorbehalten.

Im Moment sind wir eine Gruppe von elf Leuten, die sich vorgenommen haben, die organisatorische Arbeit in der alten Pauline zu übernehmen. Dazu gehören der Thekendienst, Instandhaltungs- und Säuberungsarbeiten, die Buchhaltung und unter Mitwirkung der Hausversammlung das Organisieren von Veranstaltungen und die Öffentlichkeitsarbeit.

Bei dem Thekendienst, der Instandhaltung und den Putzarbeiten wollen wir uns abwechseln und für den Rest der Arbeiten Kleingruppen bilden. Eine Gruppe ist mit der Organisation der Kneipe beschäftigt und übernimmt damit die Verantwortung sämtlicher Einkäufe. Die Veranstaltungsgruppe sollte für ein möglichst ausgewogenes kulturelles Angebot mit Thater, Musik und Filmen sorgen. Begrüßen würden wir es auch, wenn Veranstaltungen zu politischen Themen in Zusammenarbeit mit im Haus tagenden Gruppen organisiert würden. Auch die im Zusammenhang mit Veranstaltungen stehende Werbung und Öffentlichkeitsarbeit gehört dazu.

Ebenfalls für die Öffentlichkeitsarbeit ist eine Kleingruppe vorgesehen, die zur Aufgabe haben soll, Informationen über das Geschehen im Haus an die Öffentlichkeit zu tragen.

Der Arbeitskreis „Finanzen“ kümmert sich um den Haushalt der alten Pauline und gibt regelmäßig auf den Hausversammlungen Überblick über die finanzielle Situation.

Um einen ständigen Informationsfluss gewähren zu können ist es wichtig, dass sich eine Gruppe bildet, die sich um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert.

Diese Form der Organisation bildet unserer Meinung nach die Grundlage dafür, dass das Haus nutzbar ist und somit inhaltliche Arbeit geleistet werden kann.

5 Jahre später!

Kulturinitiative Detmold e.V. , 26.10.1986 :

Nun arbeiten wir schon fünf Jahre im selbstverwalteten Kultur- und Kommunikationszentrum alte Pauline

Nun arbeiten wir schon fünf Jahre im selbstverwalteten Kultur- und Kommunikationszentrum alte Pauline. Wir, das sind die wenigen Aktiven (im Gegensatz zu vielen passiven Mitgliedern) der Kulturinitiative Detmold e.V. – kurz KID. Im Laufe der Zeit wechselten oft die aktiven Leute, die in der alten Pauline arbeiten und es wurden weniger, aber die Zahl der Konsumenten stieg und steigt.

Unsere Arbeit besteht hauptsächlich in der Organisation von Musik-, Thaeter- und Filmveranstaltungen, dazu kommt noch die Kneipe oder das Café zu öffnen, Buchhaltung, Öffentlichkeitsarbeit, Putzen, Renovieren und vieles mehr.

Die ganze Arbeit, die in und um die alte Pauline anfällt, ist für wenig Leute zeit- und kraftaufwendig, zum Teil auch frustig …

Dabei bietet das Haus viele Möglichkeiten: so arbeiten im Moment drei Theaterprojekte, u.a. Chairos und das Therz-Theater in der alten Pauline, es probt ein Shanty-Chor, außerdem treffen sich Arbeitsgruppen wie z.B. der 4. Welt-Arbeitskreis und die AG gegen Neonazismus und eine Frauensportgruppe, im Keller gibt es dann noch Räume für eine Siebdruck-AG und Musikräume – und, und, und.

Was fehlt sind Leute, die Lust haben, ihre eigenen Interessen und Vorstellungen in den Bereichen Theater, Musik, Film, Disco, Kneipe, Café … zu realisieren!

Aufi! Rafft euch auf! Packen wir’s an!

Neben den Schwierigkeiten, an Theater- und Musikgruppen sowie Filmverleihe heranzukommen, sind die Gagen und Preise gestiegen. Die auftretenden Gruppen, Amateure und Profis, können es sich nicht mehr erlauben, für wenig Kohle zu spielen, weil sie ja auch von irgendwas leben müssen. Einer unserer Grundsätze ist und bleibt aber trotzdem, die Eintrittspreise so niedrig zu halten, dass möglichst jede/r die Veranstaltungen besuchen kann.

Alles Geld, was durch die Thekeneinnahmen oder Kasseneinnahmen bei Veranstaltungen ‚reinkommt, geht für die Gagen und laufende Kosten (u.a. Strom, Wasser, Versicherung, Telefon und Renovierung) wieder ‚drauf – aber, wir können nicht kostendeckend arbeiten, weil wir ja auch keine Eintrittspreise von 10 oder 15 DM wollen!

Deshalb haben wir die Bezuschussung von Kulturveranstaltungen für das Jahr 1987 bei der Stadt Detmold beantragt. Die Kohle ist verdammt nötig, denn sonst ist unsere Arbeit und die Realisierung von alternativer Kultur hier in Detmold nicht mehr möglich, d.h. ein wichtiger Kulturbereich würde so wegfallen!

Solidarität mit der alten Pauline! 22 Jahre

Kulturinitiative Detmold e.V. , 02.08.2003 :

Wie Sie vielleicht wissen, gibt es das autonome Kultur- und Kommunikationszentrum alte Pauline seit 22 Jahren. Vielleicht gehören Sie ja sogar zu den Tausenden von Menschen aus Detmold und Umgebung, die es in den vergangenen Jahrzehnten schätzen und lieben gelernt haben. Dann wissen Sie ja, um was für eine unverzichtbare Einrichtung es sich bei der alten Pauline handelt.

Vielleicht haben Sie aber auch nie einen Fuß über die Schwelle des Hauses gesetzt oder kennen unser Haus nur aus der Presse und haben mitbekommen, dass insbesondere der CDU unser Zentrum ein Dorn im Auge ist. Dann haben Sie jetzt wahrscheinlich ein paar Fragen, zum Beispiel diese:

Was heißt eigentlich „autonomes“ Kultur- und Kommunikationszentrum?

„Autonomes Kultur- und Kommunikationszentrum“ bedeutet, dass die alte Pauline von einer großen Gruppe ehrenamtlich engagierten Jugendlichen und Erwachsenen verwaltet wird. Wir, die in diesem Haus Aktiven, entscheiden darüber, was, wie und zu welchem Zweck in diesem Haus gemacht wird. Politischen Parteien, Kirchen, dem Jugendamt und der Stadtverwaltung gestatten wir keinen Einfluss auf die Organisation und den Inhalt unserer Arbeit. Deshalb haben wir es auch immer entschieden abgelehnt, Hauptamtliche zu beschäftigen und machen stattdessen lieber alles selber.

Wieso denn das? Ich meine, Hauptamtliche sind doch dafür da, dass sie etwas tun. Und könnten Ihnen doch eine Menge Arbeit abnehmen.

So einfach ist das leider nicht. Wir haben nämlich gar nicht das Geld, um bezahlte Stellen zu schaffen. Wir müssten uns also an die Stadt, den Kreis oder das Land wenden, damit die das übernehmen. Und wenn die das tun, dann wollen sie auch Einfluss nehmen. Und wenn dann der arme Sozialarbeiter seinen Job behalten will, dann muss er nach der Pfeife seines Brötchengebers tanzen und im Zweifelsfall gegen unsere Interessen handeln. Die Einstellung eines Sozialarbeiters oder Hausmeisters ist stets der Anfang vom Ende der Selbstverwaltung. Das haben wir an anderen Zentren sehr genau beobachtet. Diese Zentren sind jetzt alle kaputt. Die alte Pauline aber ist immer noch frisch und munter.

Wie – und das funktioniert? Ich meine, es muss doch jemanden geben, der sagt, wo es lang geht. Sonst bricht doch das Chaos aus.

Es funktioniert, wie gesagt: seit 22 Jahren. Man kann nämlich ein solches Zentrum sehr wohl ohne Chefs organisieren. Sicher wollen Sie jetzt wissen, wie wir das hinkriegen. Das geht so: Es finden jede Woche öffentliche Hausversammlungen statt, auf denen alles besprochen wird, was geregelt werden muss, damit das Haus funktioniert. Da wird dann entschieden, und zwar nach dem Konsensprinzip, nicht über Abstimmungen, was gemacht oder unterlassen werden soll. Da wird der Putzdienst organisiert, da wird entschieden, wer welche für das Haus notwendigen Dinge einkauft, welche Kultur- oder Informationsveranstaltungen stattfinden, wer wann eine Thekenschicht übernimmt usw. Besonders für junge Leute ist es eine faszinierende Erfahrung, dass sie selbst bestimmen können, was sie tun, und dass es da nicht jemanden gibt, der ihnen dauernd sagt, du musst jetzt dies tun und du musst jetzt das tun. Und deshalb übernehmen sie auch gerne die Verantwortung dafür, dass alles klappt. Natürlich klappt nicht immer alles reibungslos, aber letztlich funktioniert es immer irgendwie.

Na gut, wenn dieses Modell seit 22 Jahren funktioniert, dann hat es ja wohl den Praxistest bestanden. Und warum hat die CDU etwas gegen die alte Pauline? Ich meine, am Geld kann es ja wohl nicht liegen. Ich habe in der Zeitung gelesen, dass die Stadt jährlich nicht mehr als 13.000 Euro für das Haus ausgibt. Das ist doch ein geradezu lächerlicher Betrag, wenn man bedenkt, was ein stinknormales städtisches Jugendzentrum für Kosten verursacht. Oder wenn man daran denkt, dass jeder Platz in jeder einzelnen Opernvorstellung mit 30 bis 40 Euro subventioniert wird.

Ganz richtig, am Geld liegt es wirklich nicht. Gerade in Zeiten leerer Haushaltskassen wäre ja eigentlich zu erwarten, dass Politiker sagen würden: „Seht her, mit wie wenig Geld die alte Pauline auskommt, und was sie dafür alles auf die Beine stellt!“ Sagen sie aber nicht. Denn es geht ihnen ums Prinzip: Selbstverwaltung darf einfach nicht funktionieren! Es muss Chefs geben! Funktioniert sie aber doch, dann könnten die Leute ja auf dumme Gedanken kommen: Warum eigentlich nur Selbstverwaltung in der alten Pauline? Warum nicht auch in anderen Bereichen die Sache in die eigenen Hände nehmen? Vor dieser nahe liegenden Schlussfolgerung haben sie Angst. Deshalb bekämpft insbesondere die CDU die alte Pauline seit dem ersten Tag ihrer Existenz. Und macht sich zum Sprachrohr des konservativsten Teils der Bevölkerung. Deshalb will sie die alte Pauline zum Wahlkampfthema machen, unter dem Slogan: „Die Haushaltskasse ist leer! Weg mit der alten Pauline! Wir brauchen an ihrer Stelle einen schönen Glitzerpalast aus Stahl, Glas und Beton!“

Das wird doch zumindest einem Teil der Bevölkerung einleuchten. Und was wollen Sie dagegen sagen?

Erstens: Die Haushaltskasse der Jugendlichen und Erwachsenen, die die alte Pauline besuchen, ist auch leer. Mit schöner Regelmäßigkeit lange vor dem Monatsersten. Und gerade deshalb brauchen sie und wir die alte Pauline, denn dort gibt es keinen Konsumzwang und keine Türsteher, die nur solche Leute reinlassen, die aussehen, als hätten sie ein dickes Portemonee. Bei uns aber sind alle willkommen, die kein Geld haben. Und wenn die sich eine Cola mitbringen, dann ist das in Ordnung. Haben Sie schon einmal davon gehört, dass das in einer Kneippe, einer Disco oder im Theater möglich ist. Na also.

Zweitens: Der Erlös aus dem Verkauf des Grundstücks, auf dem die alte Pauline steht, die übrigens als Denkmal geschützt ist, würde nicht viel einbringen. Damit ließen sich keine Haushaltslöcher stopfen.

Drittens: Wer von der Abrissbirne träumt, der sollte sich sehr wohl überlegen, welche sozialen und politischen Kosten vorher und nachher auf ihn zukommen.

Viertens: Wer Wahlkampf auf unsere Kosten machen will, der kann es ja mal versuchen. Wenn die CDU glaubt, mit einem Wahlkampf, wie ihn Schill in Hamburg geführt hat, Stimmen zu kassieren, dann hat sie sich verrechnet!

Das hat mich überzeugt. Was kann ich denn jetzt tun, um Sie zu unterstützen?

Setzen Sie sich mit einer Unterschrift für den Erhalt der alten Pauline ein. Schreiben Sie einen Leserbrief. Schreiben Sie an die Parteien oder rufen Sie sie an. Besuchen Sie die Kultur- und Informationsveranstaltungen in der alten Pauline. Nehmen Sie an Kundgebungen und Demonstrationen für den Erhalt des Hauses teil. Reden Sie mit Freunden und Bekannten und raten Sie ihnen: „Keine Stimme einer Partei, die die alte Pauline zerstören will!“ Drücken Sie bei den öffentlichen Sitzungen des Stadtrates Ihre Solidarität aus. Geben Sie uns eine steuerabzugsfähige Spende (Kulturinitiative Detmold e.V. – Sparkasse Detmold – BLZ: 476 50 130 – Kontonummer: 448 59). Vielleicht kriegen wir dann genug Geld zusammen, um das Haus selbst zu kaufen. Danke!

Die alte Pauline bleibt!
Basta!


Neonazi Maik Dreger „gratuliert“ der alten Pauline zum 25. Geburtstag

Kulturinitiative Detmold e.V. , 15.09.2006 :

Gestern, am 14. September, feierte die alte Pauline mit einer Kundgebung auf dem Detmolder Marktplatz ihren 25. Geburtstag. Dabei gab es neben Musikstücken und Transparenten aus über zwei Jahrzehnten, auch mehrere Redebeiträge und Grußworte, unter anderem von Cable Street Beat Gütersloh, Schaumburger Antifa-Gruppen, dem Antifaschistischen Arbeitskreis Detmold und Flüchtlingsgruppen.

Der stadtbekannte Detmolder Neonazi Maik Dreger beobachtete die Jubiläumsveranstaltung und „gratulierte“ zu Beginn der sich anschließenden Demonstration auf seine Art: Im Beisein der Polizei, die sofort seine Personalien aufnahm, streckte er seinen rechten Arm zum so genannten „Kühnengruß“ aus, einer Abwandlung des verbotenen Hitlergrußes, benannt nach dem ehemaligen Neonazi-Führer Michael Kühnen.

Dreger, Sohn der Betreiberin der „Blue Bar“, die monatelang als Treffpunkt für Neonazis diente, hat in zahlreichen Detmolder Gaststätten Hausverbot und bewies gestern einmal mehr in aller Öffentlichkeit seine Gesinnung.

An dieser Stelle dokumentieren wir in Kürze einige Redebeiträge und freuen uns nach dem schönen Auftakt auf weitere neun Tage Jubiläums-Party und hundert Jahre alte Pauline.


Begrüßung durch die alte Pauline:

Hallo zusammen,

wir sind von der alten Pauline und begrüßen alle Anwesenden sehr herzlich!

Wir feiern heute unseren 25. Geburtstag. Geliebt und gehasst, immer wieder von Politik und Verwaltung in unserer Existenz bedroht, heißt unser Jubiläumsmotto jetzt erst recht: „25 Jahre sind noch lange nicht genug!“

Denn die alte Pauline ist eines der letzten selbstverwalteten Kulturzentren in Deutschland. Bei uns gibt es keine Sozialarbeiter und Chefs. Wir leben ausschließlich von dem Engagement und der Kreativität vieler Menschen, die mit dem kulturellen Leben und der politischen Lage dieses Landes unzufrieden sind. Wir nehmen unser Leben selbstbestimmt in die Hand, sind bunt statt uniformiert gekleidet, denken selber, statt zu gehorchen.

Die alte Pauline ist ein Raum, in dem ihr unabhängig von kapitalistischen Zwängen Kultur und Politik entwickeln und praktiziert könnt. Wir versuchen darauf zu achten, dass keinerlei Diskriminierung akzeptiert wird, sei es auf Grund von politischer Einstellung, Geschlechts, sexueller Ausrichtung oder des Mangels an finanziellen Möglichkeiten. Bei uns gibt es keine Türsteher, denen eure Kleidung nicht passt und auch die Preise sind bei uns so niedrig wie möglich.

Wir laden alle ein, an unserer 10-tägigen Jubiläumsfeier teilzunehmen, die heute Abend beginnt. 10 Tagen mit tollen Konzerten und anderen Veranstaltungen. Kommt vorbei und feiert mit uns, oder engagiert euch, damit wir auch das nächste Vierteljahrhundert sagen können:

Wir lieben Musik, wir hassen Faschismus!

Für ein solidarisches und selbstbestimmtes Miteinander, in dem für Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Ausbeutung kein Platz ist.

Vielen Dank!

FORTSETZUNG FOLGT!